Orientation
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„9 in Istanbul, 8 in Berlin“

I.
Berlin – Neukölln, Sonnenallee. Der Kiez ist arabisch geprägt. Preußische Architektur, schlicht, hoch und streng. Wenn man nach oben schaut, ist die Welt rechteckig in Ordnung. Unten auf der Straße zerfließen die Kulturen in ein wenig homogenes Gemenge. Wasserpfeifenrauchende Männer in abgewetzten Stühlen, Pommesbuden mit arabischen Namen, Straßenverkäufer, Videotheken mit den neuesten Filmen aus Beirut, schwarz glänzende Mercedes Limousinen, Frauen in engen Jeans und hochhackigen Schuhen oder verschleiert in wallenden Gewändern.

Berlin – Neukölln, das ist der Kiez von Bekir Karaoglan. Composer, Sänger, Musiker und Produzent von ORIENTATION.

Berlin-Prenzlauer Berg, Kastanienallee. Mode-Eldorado der Berliner Trash Fashion Szene. Die Namen der Clubs sind Programm: „White Trash“, „CCCP“, „Cafe Moskau“ und natürlich „Kaffee Burger“. Hunderte betont nicht gestylter junger Menschen aller Nationalitäten und Sprachen schlürfen ihren Latte Macchiato in den angesagten Cafés, „103“, „Schwarz-Sauer“, „Lass uns Freunde bleiben“. Lifestyle pur.

Berlin-Prenzlauer Berg, das ist der Kiez von Advocado. Composer, Musiker und Produzent von ORIENTATION.

II.
ORIENTATION bedient sich der großen Schatztruhe, die Berlin in musikalischer Hinsicht zu bieten hat. Berlin ist die östlichste Stadt Deutschlands, war lange Jahre der westliche Stachel im satten Fleisch des Ostens. Das merkt man Berlin an, Charlottograd, Kreuzberg 36, Wedding, Neukölln. Bekir ist Schwarzmeer-Türke, stammt aus einer östlichen Region des Vielvölkerstaates Türkei. Advocado ist Rheinländer, einer westlichen Region des ehemaligen Vielvölkerstaates Deutschland. Beide sind einerseits geprägt vom Jazz, R&B, Soul, Funk, andererseits von europäischer und osmanischer klassischer Musik, von ihrer jeweiligen Folklore, die einen Bogen spannt von christlichen Kirchenliedern bis zu der Tanzmusik der Zigeuner.

Berlin ist ein musikalischer Fundus, ein Mikrokosmos, der detailgetreu die Weltkarte der Musik abbildet. Dementsprechend gefächert ist auch das Umfeld der Musiker, die an dieser neuen Produktion "9 in Istanbul, 8 in Berlin" mitgewirkt haben. Von San Francisco (Richard Howell) nach Aserbeidschan (Resul Barini), von Göttingen (Tilmann Dehnhard) nach Teheran (Babak Akhoondi). Gemeinsam haben alle diese Musiker neben ihrer Liebe zur Musik eines: sie leben alle in Berlin.

Die Nähe zu Istanbul, der anderen östlichen Metropole Europas, wird in dem neuen Album von ORIENTATION zum Programm gemacht: „9 in Istanbul, 8 in Berlin“. Hinter der augenscheinlichen Stunde Zeitunterschied verbirgt sich der uralte und ewig junge 9/8-Takt, der vom Balkan bis tief ins asiatische Festland hinein die Grundlage bildet für Zigeunermusik und Hochzeitstänze. Bei ORIENTATION wird dieser 9/8 Takt von Reggae bis Funk universell eingesetzt.

III.
1997 erschien ORIENTATION mit ihrem wegweisenden Album „Bosporus Bridge“, das bis heute Musiker und Produzenten beeinflusst. ORIENTATION brachte es in die Charts, tourte mit siebenköpfiger Besetzung durch Europa und Asien – u.a. mit Tarkan, Aziza-A, Sultana - und widmete sich dann über Jahre hinweg vorrangig der Produzententätigkeit.

2003 entdeckte der Regisseur Fatih Akin ORIENTATION als Soundtrack für seinen preisgekrönten Film „Gegen die Wand“.

Mit ihrem Album „9 in Istanbul, 8 in Berlin“ knüpft ORIENTATION an die frühen Jahre als musikalischer Pionier an, und beweist dabei, dass gute Musik unabhängig von ethnischer, nationaler religiöser Herkunft funktioniert.

ORIENTATION ist der im wahrsten Sinne des Wortes „klingende“ Beweis dafür, dass die Kultur des „Morgenlandes“ der des „Abendlandes“ nicht widerspricht. Ohne „Morgen“ kein „Abend“ und umgekehrt. ORIENTATION schließt den Kreis.